Pflanzenportrait: Die Paw Paw

    20/10/2025

    Die Pawpaw (Asimina triloba), auch Indianerbanane genannt, ist der absolute Geheimtipp für den Waldgarten. Sie ist das einzige Mitglied der ansonsten tropischen Annonengewächse (verwandt mit der Zimtapfel oder Cherimoya), das Frost verträgt.Sie vereint exotisches Aussehen mit extremer Winterhärte und liefert Früchte, deren Geschmack man kaum beschreiben kann: eine Mischung aus Banane, Mango und Ananas mit der Konsistenz von Vanillepudding.

    1. Merkmale & Wuchs

    • Wuchs: Ein kleiner, oft mehrstämmiger Baum oder großer Strauch. Er wächst eher langsam und erreicht in unseren Breiten etwa 3 bis 5 Meter. Die Blätter sind sehr groß (bis 30 cm), hängend und wirken extrem tropisch.

    • Blüte: Im Frühjahr erscheinen glockenförmige, dunkelrot-braune Blüten.

      • Besonderheit: Sie werden nicht von Bienen, sondern von Fliegen und Käfern bestäubt. Sie duften daher ganz leicht nach Fleisch.

    • Frucht: Grüne, ovale Früchte (bis 15 cm lang), die in Büscheln (ähnlich wie Bananen) wachsen. Das Fruchtfleisch ist gelb bis orange mit großen, schwarzen Kernen.


    2. Standort & Pflege

    • Licht: Ein Paradoxon der Pawpaw: Junge Pflanzen (die ersten 2-3 Jahre) vertragen keine pralle Sonne und brauchen Schatten, da ihre Blätter sonst verbrennen. Ältere Bäume hingegen benötigen volle Sonne, um süße Früchte auszubilden.

    • Boden: Tiefgründig, humos, feucht, aber keine Staunässe. Der Boden sollte leicht sauer bis neutral sein.

    • Winterhärte: Vollkommen winterhart bis -25°C.


    3. Sortenwahl: Der Schlüssel zum Erfolg

    Da Pawpaws eine lange Reifezeit haben, sind für Mitteleuropa vor allem Sorten wichtig, die früh bis mittelfrüh reifen.

    Sorte Reifezeit Eigenschaften
    ‘Prima 1216’ Mittelfrüh Selbstfruchtend! (Trotzdem höherer Ertrag mit Zweitbaum). Sehr große, süße Früchte.
    ‘Sunflower’ Mittel Teilweise selbstfruchtend. Klassische Sorte mit sehr gutem Geschmack.
    ‘Overleese’ Früh Große Früchte, fast keine Kerne, sehr verlässlich in Deutschland.
    ‘NC-1’ Früh Sehr frosthart, dünne Schale, intensives Aroma.
    ‘Davis’ Mittelfrüh Sehr gute Lagerfähigkeit der Früchte (für Pawpaw-Verhältnisse).

    Wichtiger Bestäubungs-Tipp: Die meisten Sorten sind selbststeril. Du benötigst also zwei verschiedene genetische Sorten (z.B. eine ‘Sunflower’ und eine ‘Overleese’), damit sie Früchte tragen.


    4. Rolle im Waldgarten

    • Mittelschicht: Durch ihre Größe passt sie perfekt unter hohe Bäume (wie die Pekannuss), solange sie noch jung ist, und wächst später in die Sonne.

    • Schädlingsfrei: Die Blätter enthalten natürliche Insektizide (Acetogenine). Dadurch wird die Pawpaw fast nie von Schädlingen befallen – sogar Rehe meiden sie meist. Lediglich Jungbäume sind vor Schnecken zu schützen.

    • Ästhetik: Die goldgelbe Herbstfärbung.


    5. Ernte & Genuss

    Die Früchte sind reif, wenn sie auf leichten Druck nachgeben und intensiv duften.

    • Haltbarkeit: Sehr gering. Reife Früchte halten sich nur wenige Tage. Daher findet man sie auch nie im Supermarkt – sie ist die ultimative „Gärtnerfrucht“.

    • Essen: Einfach halbieren und auslöffeln. Die Schale und die Kerne sind nicht essbar.

    Tipp: Wenn die Bestäubung durch Fliegen nicht klappt (weil es im Frühjahr zu windig ist), kannst du mit einem feinen Pinsel selbst Nachhelfen. Einfach den Pollen von einem Baum auf die Narben des anderen übertragen.