Pflanzenportrait: Die Feige

    11/08/2025

    Die Feige (Ficus carica) hat sich in den letzten Jahren von einer reinen Mittelmeerpflanze zu einem festen Bestandteil deutscher Gärten entwickelt. Dank milder werdender Winter und gezielter Sortenauswahl ist die Ernte von honigsüßen Feigen auch in Regionen nördlich der Alpen absolut möglich.

    1. Merkmale & Wuchs

    • Wuchs: Ein malerischer, oft mehrstämmiger Großstrauch oder kleiner Baum. Er wächst ausladend und kann 3 bis 5 Meter hoch und breit werden.

    • Blätter: Die charakteristischen, großen, gelappten Blätter verleihen jedem Garten sofort ein exotisches Flair.

    • Besonderheit (Blüte): Feigen blühen „nach innen“. Was wir als Frucht sehen, ist eigentlich ein fleischiger Blütenbecher.

    • Wichtig für Deutschland: Hier gedeihen nur jungfernfrüchtige (parthenokarpe) Sorten. Diese benötigen keine Feigenwespe zur Bestäubung, da die Wespe in unserem Klima nicht überlebt.


    2. Standort: Das „A und O“

    In kühleren Regionen ist die Platzwahl entscheidend:

    • Licht & Wärme: Vollsonnig und so geschützt wie möglich.

    • Mikroklima: Ideal ist ein Platz vor einer Süd-Hauswand oder einer Steinmauer, die tagsüber Wärme speichert und nachts abgibt.

    • Boden: Durchlässig, eher nährstoffreich und kalkhaltig. Staunässe im Winter ist der größte Feind der Wurzeln.


    3. Sorten für kühlere Regionen (Winterharte Favoriten)

    Diese Sorten haben sich in Deutschland bewährt und vertragen meist Frost bis -15 °C (kurzzeitig sogar mehr), sofern sie gut etabliert sind.

    Sorte Winterhärte Fruchtmerkmale Besonderheiten
    ‘Brown Turkey’ Sehr hoch Braun-violett, mittelgroß, süß Der Klassiker für D, sehr verlässlich, trägt oft zweimal im Jahr.
    ‘Pfälzer Fruchtfeige’ Hoch Birnenförmig, violett-grün Sehr robust, bewährt im deutschen Weinbauklima.
    ‘Dauphine’ Gut Sehr große, rotbraune Früchte Sehr wüchsig, braucht etwas mehr Platz.
    ‘Desert King’ Sehr hoch Grün (gelblich), rotes Fleisch Ideal für Regionen mit kühlen Sommern, da die Früchte früh reifen.
    ‘Ronde de Bordeaux’ Mittel-Hoch Kleine, fast schwarze Früchte Exzellentes Aroma (sehr süß), treibt nach Frostschäden gut wieder aus.

    4. Rolle im Waldgarten & Ernte

    • Nischenstrategie: Die Feige besetzt im Waldgarten die sonnigsten Plätze am Rand oder in „Sonnenfallen“ (U-förmige Pflanzungen Richtung Süden).Bei uns findest du sie im Bereich vor der Mauer, die zu Beginn des Feldes steht.

    • Ernte: Je nach Sorte gibt es zwei Erntewellen:

      1. Blütenfeigen (Juli): Früchte, die am letztjährigen Holz überwintert haben.

      2. Herbstfeigen (August–Oktober): Früchte, die am diesjährigen Holz gewachsen sind.

    • Tee-Potenzial: Wusstest du, dass man aus getrockneten Feigenblättern einen Tee mit feinem Kokos-Aroma zubereiten kann? (Allerdings nur in Maßen genießen).


    5. Winterschutz für junge Feigen

    In den ersten 2–3 Jahren ist die Feige noch empfindlich.

    • Mulchen: Den Wurzelbereich dick mit Laub oder Stroh abdecken.

    • Vlies: Bei Dauerfrost unter -10 °C die Krone locker mit Jutesäcken oder Wintervlies umwickeln.

    • Regenerationskraft: Selbst wenn die Feige oberirdisch zurückfriert, treibt sie meist kräftig aus der Basis wieder aus (Wurzelhärte ist oft höher als Triebhärte).


    Ein Tipp zum Schnitt

    Feigen vertragen Rückschnitt hervorragend. Um die Ernte zu erleichtern, kann man sie durch Schnitt kompakt halten. Der beste Zeitpunkt ist das zeitige Frühjahr, bevor der Milchsaft einschießt (der Hautreizungen verursachen kann!).