Lebendige Pfähle für ein Spalier

    11/04/2023

    Das Konzept der lebenden Pfähle (Living Fenceposts) ist die Königsdisziplin der nachhaltigen Gartengestaltung. Anstatt totes Holz zu verbauen, das nach 10 bis 15 Jahren wegfault, nutzt du lebende Bäume als dauerhafte, sich selbst reparierende Stützen für deine Spaliere (z. B. für Kiwibeeren oder Wein).

    Hier ist der Vergleich und die Anleitung für die Nutzung von Robinie und Weide in deinem Waldgarten:


    1. Die Weide (Salix): Der schnelle Netzwerker

    Die Weide ist der klassische Baum für lebende Konstruktionen.

    • Vorteil: Sie schlägt extrem leicht Wurzeln. Ein einfacher, armdicker Ast, den du im Winter tief in die Erde steckst, wächst zu fast 100 % an.

    • Wuchs: Weiden sind sehr biegsam. Du kannst sie zu kunstvollen Rautenmustern flechten oder als stabile Einzelpfähle ziehen.

    • Funktion im Waldgarten: Sie liefert im zeitigen Frühjahr wertvollen Pollen für Bienen und ständig Biomasse für deinen Mulch (Chop & Drop).

    • Nachteil: Weiden brauchen viel Wasser. Sie konkurrieren stark mit den Nutzpflanzen am Spalier, wenn der Boden trocken ist. Zudem müssen sie mindestens zweimal im Jahr radikal geschnitten werden, da sie sonst das Spalierlicht rauben.


    2. Die Robinie (Robinia pseudoacacia): Der Kraftprotz

    Die Robinie ist eigentlich die bessere Wahl für schwere Lasten (wie bei einer alten Kiwibeere).

    • Vorteil: Als Leguminose ist sie ein Stickstofffixierer. Sie düngt das Spalier also direkt über die Wurzeln. Das Holz ist extrem hart und zäh.

    • Wuchs: Sie wächst sehr aufrecht und bildet stabile Stämme.

    • Funktion im Waldgarten: Die Blüten liefern den berühmten “Akazienhonig” und locken massiv Bestäuber an.

    • Nachteil: Sie hat Dornen (Vorsicht bei der Ernte!) und ist invasiver als die Weide. Sie bildet gerne Wurzelausläufer im Umkreis.

    • Schnitt: Robinien vertragen starkes Einkürzen (“Kopfweidenschnitt”) hervorragend.


    3. Praxis: So baust du ein lebendes Spalier

    Wenn du ein Spalier für deine Kiwibeeren oder Weintrauben planst, gehe wie folgt vor:

    1. Steckhölzer setzen: Verwende im Spätwinter (Februar) ca. 2,50 m lange, gerade Stämme. Diese werden etwa 50–80 cm tief in den Boden gerammt oder gebohrt.

    2. Entrinden (Wichtig!): Damit der Draht später nicht in den wachsenden Stamm einwächst, solltest du an der Stelle, wo der Draht befestigt wird, die Rinde alle paar Jahre kontrollieren. Besser: Den Draht mit Abstandshaltern (z.B. alten Gartenschlauchstücken) um den Stamm legen.

    3. Drahtspannung: Befestige verzinkten Stahldraht zwischen den lebenden Pfählen.

    4. Kopfbaumschnitt: Schneide die Weide oder Robinie jedes Jahr im Winter auf der gewünschten Höhe (z. B. 2 Meter) radikal ab. Die Austriebe im Sommer kannst du als Mulchmaterial nutzen oder für Flechtarbeiten verwenden.


    4. Vergleich für dein Projekt

    Merkmal Weide Robinie
    Anwuchs Extrem einfach (Stecken) Schwieriger als Steckholz
    Düngung Keine Stickstoff-Fixierer (Pluspunkt!)
    Haltbarkeit Unendlich (da lebend) Unendlich (da lebend)
    Wasserbedarf Hoch Moderat
    Besonderheit Bienenweide (Frühjahr) Bienenweide (Frühsommer)

    5. Ein wichtiger Warnhinweis: “Vampir-Effekt”

    Ein lebender Pfahl ist ein Konkurrent um Licht und Nährstoffe.

    • Lösung: Halte den lebenden Pfahl durch massiven Rückschnitt klein. Er soll nur ein „Pfosten mit ein paar Blättern“ sein, kein ausgewachsener Baum. Die Kiwibeere am Spalier muss die Lichtdominanz behalten.