Pflanzenportrait: Die Kornelkirsche

    10/03/2025

    Die Kornelkirsche (Cornus mas), in Süddeutschland und Österreich auch oft „Dirndl“ genannt, ist ein echtes Multitalent im Garten. Sie gehört zur Familie der Hartriegelgewächse und ist eines unserer wertvollsten heimischen Wildgehölze.

    1. Merkmale & Erscheinungsbild

    • Wuchs: Meist als großer, mehrstämmiger Strauch oder kleiner Baum. Sie wächst eher langsam (ca. 20–30 cm pro Jahr) und erreicht Höhen von 4 bis 8 Metern.

    • Blüte: Die leuchtend gelben Blüten erscheinen extrem früh – oft schon im Februar oder März, noch weit vor dem Blattaustrieb. Sie duften leicht honigartig.

    • Blätter: Eiförmig mit der typischen Hartriegel-Nervatur (bogig verlaufend). Im Herbst verfärben sie sich dekorativ gelb bis rot-orange.

    • Besonderheit Holz: Das Holz ist so extrem hart und schwer, dass es im Wasser nicht schwimmt, sondern untergeht.


    2. Standort & Bodenansprüche

    Die Kornelkirsche ist ein “Überlebenskünstler” und kommt mit fast allem zurecht, was die Landschaft bietet.

    • Licht: Am liebsten vollsonnig (wichtig für eine reiche Fruchternte), verträgt aber auch Halbschatten problemlos.

    • Boden: Ideal ist ein kalkhaltiger, lockerer und nährstoffreicher Boden. Sie ist jedoch sehr anpassungsfähig und toleriert auch trockenere Standorte oder Stadtklima sehr gut.

    • Vermeiden: Einzig Staunässe und extrem saure, schwere Böden mag sie nicht besonders.


    3. Ökologischer Wert (Ein “Muss” für Naturgärten)

    Die Kornelkirsche ist eine der wichtigsten Pflanzen für die Biodiversität:

    • Bienenweide: Da sie vor fast allen anderen Pflanzen blüht, ist sie eine lebensrettende erste Nahrungsquelle für Wildbienen und Hummeln.

    • Vogelschutz: Die dichte Verzweigung bietet ideale Nistplätze, und die Früchte sind im Spätsommer bei über 15 Vogelarten (z.B. Dompfaff, Kernbeißer) heiß begehrt.


    4. Ernte & Verwendung

    Die Früchte (Kornellen) sehen aus wie längliche Kirschen, sind aber botanisch gesehen Steinfrüchte.

    • Erntezeit: August bis September.Je nach Sorte unterschiedlich.

    • Der Trick: Die Früchte sind erst dann wirklich genießbar, wenn sie fast schwarzrot sind und von selbst vom Strauch fallen. Vorher sind sie extrem sauer und adstringierend (pelziges Gefühl im Mund).

    • Verarbeitung: * Klassisch: Marmelade, Gelee oder Sirup (schmeckt wie eine Mischung aus Kirsche und Preiselbeere).

      • Herzhaft: Unreife, grüne Früchte können wie Oliven in Salzlake eingelegt werden (“Falsche Oliven”).

      • Heilwirkung: Nach Hildegard von Bingen helfen sie bei Magen-Darm-Beschwerden.


    5. Tipps für die Pflanzung

    • Befruchtung: Obwohl sie selbstfruchtend ist, fällt die Ernte deutlich üppiger aus, wenn zwei verschiedene Exemplare oder Sorten (z.B. die großfruchtige Sorte ‘Jolico’) nebeneinander stehen.

    • Schnitt: Sie ist extrem schnittverträglich. Du kannst sie als frei wachsende Hecke, als Solitär oder sogar als streng geschnittene Formhecke halten.

    Wusstest du schon? Die Kornelkirsche ist die ökologisch wertvolle Alternative zur Forsythie. Die Forsythie blüht zwar auch gelb, bietet Insekten aber weder Nektar noch Pollen.