Pflanzenportrait: Der Beinwell

    10/06/2025

    Der Beinwell (Symphytum officinale) ist eine der wichtigsten Pflanzen in der Permakultur und im Waldgarten. Er fungiert als ökologische „Pumpe“, die Nährstoffe aus tiefen Erdschichten für andere Pflanzen verfügbar macht.

    1. Merkmale & Wuchs

    • Erscheinung: Eine robuste, ausdauernde Staude mit großen, rauen und borstig behaarten Blättern. Sie wird etwa 60 bis 100 cm hoch.

    • Blüte: Von Mai bis August hängen glockenförmige Blüten in Violett, Rosa oder Cremeweiß herab. Sie sind eine Magnet für Hummeln, da nur diese mit ihrem langen Rüssel an den Nektar gelangen.

    • Wurzel: Der Beinwell bildet eine massive, schwarze Pfahlwurzel, die bis zu 2 Meter tief in den Boden reicht.


    2. Die Rolle im Waldgarten: Der „Akku“ des Bodens

    Im Waldgarten-Konzept (Forest Garden) wird Beinwell oft in die Baumscheiben von Obstbäumen gepflanzt.

    • Nährstoff-Pumpe: Durch die tiefen Wurzeln erschließt er Mineralien (vor allem Kalium, aber auch Calcium und Magnesium), die für normale Flachwurzler unerreichbar sind. Diese speichert er in seinen Blättern.

    • Mulch-Maschine: Man kann Beinwell bis zu viermal im Jahr „ernten“ (bodennah abschneiden). Die Blätter werden direkt als Mulch unter Obstbäume oder Beerensträucher gelegt. Dort verrotten sie extrem schnell und geben das Kalium sofort an die Starkzehrer ab.

    • Bodenlockerer: Die starken Wurzeln brechen selbst harte Lehmschichten auf und verbessern die Bodenstruktur für Nachbarpflanzen.


    3. Der  Kaliumlieferant

    Kalium ist entscheidend für die Blüten- und Fruchtbildung sowie die Frosthärte von Pflanzen.

    • Beinwelljauche: Ähnlich wie Brennnesseljauche (die eher stickstofflastig ist), liefert Beinwelljauche den perfekten Dünger für Tomaten, Beeren und Obstgehölze.

      • Rezept: 1 kg frischer Beinwell auf 10 Liter Wasser, ca. 2 Wochen gären lassen, 1:10 verdünnt gießen.

    • Pflanz-Turbo: Legst du beim Pflanzen von Tomaten oder Kartoffeln zwei frische Beinwellblätter mit in das Pflanzloch, erhält die Pflanze einen natürlichen Langzeitdünger.


    4. Heilwirkung: Der Name ist Programm

    „Beinwell“ kommt von „die Gebeine heilen“ (wallen = zusammenwachsen).

    • Hauptwirkstoff Allantoin: Dieser Stoff regt die Zellneubildung an und beschleunigt die Heilung von Gewebe und Knochen.


    5. Tipps für deinen Garten

    • Sortenwahl: Der „Echte Beinwell“ samt sich stark aus. Wenn du ihn kontrolliert halten willst, wähle die Sorte ‘Bocking 14’ (Russischer Beinwell). Diese ist steril, bildet keine Samen und produziert besonders viel Biomasse.

    • Standortwahl: Überlege dir gut, wo du ihn pflanzt. Da jedes kleine Wurzelstück zu einer neuen Pflanze anwächst, ist es fast unmöglich, ihn wieder loszuwerden, wenn er einmal etabliert ist. Er liebt feuchte, nährstoffreiche Plätze im Halbschatten.