Giftpflanzen im Waldgarten

    01/07/2025

    In einem Waldgarten, in dem fast alles essbar ist, ist die Kenntnis der Giftpflanzen wichtig. Es gibt zwei Arten von Giftpflanzen im Waldgarten: jene, die wir bewusst zur Systemstabilisierung pflanzen, und jene, die als Verwechslungsgefahr lauern.


    1. Bewusst gepflanzte „Nutz-Gifte“

    Manche Pflanzen sind für Menschen giftig, erfüllen aber im Ökosystem des Waldgartens eine wichtige Funktion.

    • Der Wurmfarn (Dryopteris filix-mas): Er besetzt die tiefsten Schattenschichten und produziert Biomasse. Vorsicht: Er ist stark giftig. Man sollte ihn nur als Mulchmaterial verwenden, nie verwechseln mit dem (essbaren) Straußenfarn.

    • Der Goldregen (Laburnum): Ein hervorragender Stickstofffixierer aus der Familie der Leguminosen. Er „düngt“ den Boden für deine Obstbäume. Vorsicht: Alle Teile sind hochgradig giftig (Zytisin). Er gehört nicht in Gärten, in denen kleine Kinder spielen.

    • Fingerhut (Digitalis): Eine wunderschöne Blume, die Insekten anlockt und als Lichtkeimer Lücken füllt. Vorsicht:Herzwirksame Glykoside machen ihn extrem gefährlich.


    2. Die gefährlichen Doppelgänger (Verwechslungsgefahr)

    Besonders bei der Ernte von Wildkräutern im Frühjahr musst du extrem aufmerksam sein:

    • Bärlauch vs. Maiglöckchen / Herbstzeitlose:

      • Bärlauch: Riecht nach Knoblauch, jedes Blatt hat einen eigenen Stiel.

      • Maiglöckchen: Riecht neutral, zwei Blätter kommen aus einer Scheide. Lebensgefahr!

      • Herbstzeitlose: Blätter sind fleischiger, kein Knoblauchgeruch. Tödlich giftig!

    • Giersch vs. Gefleckter Schierling:

      • Giersch: Dreikantiger Blattstiel, Blätter immer in Dreiergruppen.

      • Schierling: Stängel ist oft rot gefleckt und riecht unangenehm nach „Mäuse-Urin“. Tödlich giftig!


    3. Giftige Teile an „essbaren“ Pflanzen

    Viele deiner Waldgarten-Favoriten haben giftige Komponenten. Das musst du bei der Verarbeitung wissen:

    • Die Eibe (Taxus baccata): Der rote Fruchtmantel ist zuckersüß und essbar (gut für Gelee). Aber: Der Kern darin und die Nadeln sind tödlich giftig. Wer Gelee macht, muss die Kerne absolut sicher aussieben!

    • Die Holunderbeere (Sambucus nigra): Roh enthalten die Beeren Sambunigrin, was Übelkeit verursacht. Sie müssen kurz über 80°C erhitzt werden, um sie sicher genießbar zu machen.

    • Rhabarber: Nur die Stiele essen. Die Blätter enthalten so viel Oxalsäure, dass sie giftig wirken und nur als Mulch (hervorragend gegen Unkraut!) dienen sollten.


    4. Strategien für den sicheren Waldgarten

    • Zonierung: Pflanze bekannte Giftpflanzen (wie Goldregen) niemals direkt neben Beerensträucher wie die Sorbaronia oder die Kiwibeere, um Verwechslungen bei der schnellen Ernte zu vermeiden.

    • Kennzeichnung: Markiere im Waldgarten Bereiche, in denen “Nicht-Essbares” wächst, besonders wenn Gäste oder Kinder mithelfen.

    • 100%-Regel: Iss niemals etwas aus deinem Waldgarten, das du nicht botanisch sicher bestimmt hast. Ein Bestimmungsbuch gehört zur Grundausrüstung.


    5. Warum sie trotzdem bleiben dürfen

    Giftpflanzen erhöhen die Biodiversität. Viele spezialisierte Insekten sind auf sie angewiesen. Zudem sind viele “Gifte” in geringster Dosierung Heilmittel – das ist die Basis der Phytotherapie. Für deine Teeherstellung gilt jedoch: Keine Experimente! Nur das landet im Teeglas, was zweifelsfrei als Lebensmittel sicher ist