Einjähriges Gemüse (Annuelle) bildet das dynamische Herzstück der klassischen Selbstversorgung. Im Gegensatz zum mehrjährigen Gemüse schließt es seinen gesamten Lebenszyklus – von der Keimung über die Blüte bis zur Samenbildung – innerhalb einer einzigen Vegetationsperiode ab.
Im Kontext eines Waldgartens und Market Gardens sind sie die „Sprinter“, die für schnelle, kalorienreiche Ernten sorgen.
1. Warum einjähriges Gemüse im Waldgarten?
Obwohl das Ziel eines Waldgartens oft die Mehrjährigkeit ist, haben Einjährige wichtige strategische Aufgaben:
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Lückenfüller: Solange deine Pekannuss oder Esskastanie noch klein ist, nutzt du den sonnigen Platz darunter für einjährige Kulturen.
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Hohe Kaloriendichte: Viele der sättigendsten Gemüse (Kartoffeln, Kürbis, Mais) sind einjährig.
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Flexibilität: Du kannst jedes Jahr neu entscheiden, was du anbaust, um auf Krankheiten im Boden zu reagieren (Fruchtfolge).
2. Einteilung nach Beanspruchung (Die “Zehrer”)
Wie wir bereits besprochen haben, ist die Einteilung in Stark-, Mittel- und Schwachzehrer die Grundlage für deine Beetplanung:
A. Starkzehrer (Die Hungrigen)
Sie benötigen massiv Stickstoff und Kompost.
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Kürbis & Zucchini: Ideal als “lebender Mulch” auf frischen Kompostmieten oder zwischen jungen Bäumen, da sie den Boden mit ihren riesigen Blättern beschatten.
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Tomaten & Gurken: Brauchen viel Sonne und Schutz.
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Mais: Kann im Waldgarten als temporäre Stütze für Kletterbohnen dienen.
B. Mittelzehrer (Die Genügsamen)
Sie kommen mit dem aus, was nach den Starkzehrern übrig ist.
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Karotten & Pastinaken: Tiefwurzler, die den Boden lockern.
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Kohlrabi & Radieschen: Schnellwüchsig, ideal für die Ernte im Frühjahr.
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Salate: Sie vertragen im Sommer den lichten Schatten deiner Nashi-Birne sehr gut, da sie dort weniger schnell „schießen“ (blühen).
C. Schwachzehrer (Die Bodenverbesserer)
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Erbsen & Buschbohnen: Sie sind für den Waldgarten essentiell, da sie Stickstoff fixieren und den Boden für die Bäume bereichern.
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Feldsalat: Ein klassisches Wintergemüse, das den Boden über die kalten Monate bedeckt hält.
3. Strategische Integration: “Das Drei-Schwestern-Prinzip”
Ein berühmtes Beispiel für einjährige Gemeinschaften, die perfekt ins Waldgarten-Denken passen, ist die Milpa (Mais, Bohne, Kürbis):
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Mais dient als Rankstange.
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Bohnen liefern Stickstoff für den hungrigen Mais.
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Kürbis bedeckt den Boden, hält die Feuchtigkeit und unterdrückt Unkraut.
4. Die Brücke zur Teeherstellung
Viele einjährige Pflanzen sind nicht nur Gemüse, sondern liefern wertvolle Bestandteile für deine Teemischungen:
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Ringelblume (Calendula): Einjährig, wunderschön im Beet und die getrockneten Blütenblätter sind ein Muss für jeden Haustee.
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Dill & Fenchel: Die Samen sind hervorragend für die Verdauung und lassen sich leicht ernten und lagern.