Ein Waldgarten ist kein gewöhnlicher Park und auch kein herkömmlicher Acker. Er ist ein fein austariertes Ökosystem, in dem der Boden die wertvollste Komponente ist. Als Besucher (oder wenn du Gäste durch dein Reich führst) gibt es ein paar ungeschriebene Gesetze, um die „unsichtbare“ Arbeit des Waldgärtners nicht zu zerstören.
Hier ist der Knigge für das Verhalten auf Wegen und Flächen im Waldgarten:
1. Die “Goldene Regel”: Bleib auf den Wegen
Was im Waldgarten wie eine wüste Ansammlung von Laub und Stöcken aussieht, ist oft eine gezielt aufgebaute Mulchschicht.
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Warum: Der Boden im Waldgarten wird nie umgegraben (No-Till). Er ist extrem locker und voller Luftporen, in denen Mykorrhiza-Pilze und Mikroorganismen leben.
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Das Problem: Ein einziger Schritt abseits des Weges komprimiert den Boden so stark, dass feine Wurzeln (z. B. der flach wurzelnden Pawpaw oder Nashi) gequetscht werden und die Pilzgeflechte reißen.
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Besucher-Tipp: Nutze nur die markierten Pfade (oft mit Holzhackschnitzeln oder Rindenmulch belegt). Sie signalisieren: „Hier darfst du verdichten, dort drüben atmet die Erde.“
2. Vorsicht: “Schlafende” Pflanzen
Im Waldgarten wachsen viele Pflanzen in Schichten. Viele mehrjährige Gemüsearten oder Frühjahrsblüher (wie der Bärlauch oder die Hosta) ziehen sich im Sommer oder Winter komplett unter die Erde zurück.
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Die Gefahr: Wer abseits der Wege läuft, sieht die schlafende Pflanze nicht und tritt den Austrieb für das nächste Jahr kaputt oder verdichtet die Erde über dem Rhizom.
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Regel: Trete niemals auf gemulchte Flächen, auch wenn dort scheinbar „nichts“ wächst.
3. Ernten nur nach Rücksprache
In einem Waldgarten ist oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, was reif ist oder was zur Saatgutgewinnung stehen bleiben muss.
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Samen-Souveränität: Wie wir gelernt haben, ist die Saatgutgewinnung zentral. Die schönste Beere am Strauch ist vielleicht genau diejenige, die der Gärtner zur Vermehrung markiert hat.
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Hygiene: Besonders bei bodennahen Kräutern oder essbaren Blüten ist Vorsicht geboten.
4. Hunde: Ein klares “Nein” im Nutzzentrum
Wie bereits besprochen, haben Hunde im Kernbereich des Waldgartens nichts zu suchen.
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Als Besucher mit Hund solltest du diesen strikt an der kurzen Leine auf den Hauptwegen führen oder (besser) außerhalb des eingezäunten Nutzbereichs lassen. Urin und Kot sind hier keine Dünger, sondern Schadstoffe für die Lebensmittelhygiene.
5. Achtsamkeit bei der Vertikalen
Ein Waldgarten wächst in drei Dimensionen.
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Lianen: Achte auf Ranken von Kiwibeeren oder Apios americana, die manchmal über die Wege hängen oder sich an unauffälligen Schnüren hochziehen. Ein unvorsichtiges Ziehen an einem Zweig kann die Ernte des ganzen Jahres gefährden.
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Dornen: Pflanzen wie der Szechuanpfeffer haben wehrhafte Dornen. Wegeführung dient hier auch dem Schutz des Besuchers!
Zusammenfassung: So führst du Gäste durch deinen Waldgarten
Wenn du Besuch bekommst, erkläre kurz das Konzept: