Photosynthes im Waldgarten

    11/02/2022

    In einem Waldgarten ist die Photosynthese nicht nur ein biologischer Prozess, sondern die zentrale Design-Währung. Während ein herkömmlicher Acker (Market Garden) die Sonnenenergie nur auf einer Ebene einfängt, nutzt der Waldgarten die vertikale Dreidimensionalität, um die Photosynthese-Leistung pro Quadratmeter zu maximieren.

    1. Das Prinzip der Licht-Ernte (Vertical Stacking)

    Stell dir die Sonne als einen Energiestrom vor, der auf dein Grundstück trifft.

    • Auf dem Acker: Ein großer Teil des Lichts trifft zwischen den Gemüsereihen auf den Boden und geht verloren (oder füttert Unkraut).

    • Im Waldgarten: Durch die Schichtung wird das Licht mehrfach “geerntet”.

      • Die obere Schicht (z. B. Esskastanie) fängt das harte, direkte Licht ab.

      • Die mittlere Schicht (z. B. Felsenbirne) nutzt das durchfallende Streulicht.

      • Die Krautschicht (z. B. Frauenmantel, Hostas) ist darauf spezialisiert, mit dem schwachen Restlicht am Boden hocheffizient Zucker zu produzieren.

    2. Blattflächenindex (LAI – Leaf Area Index)

    Die Photosynthese-Leistung wird maßgeblich durch den Blattflächenindex bestimmt. Dieser Wert gibt an, wie viele Quadratmeter Blattfläche über einem Quadratmeter Boden hängen.

    • In einer Monokultur liegt dieser Wert oft bei 1 bis 3.

    • Ein reifer Waldgarten kann einen LAI von 5 bis 10 erreichen. Das bedeutet, du hast die 5- bis 10-fache “Solarzellen-Fläche” auf dem gleichen Grundbesitz.

    3. Anpassung der Photosynthese-Typen

    Pflanzen haben unterschiedliche Strategien entwickelt, um Licht zu nutzen:

    • Licht-Pflanzen (C4/Starke C3): Diese brauchen volle Sonne für maximale Leistung (z. B. Mais, Kürbis, Zierquitte). Sie stehen im Waldgarten am Südrand.

    • Schatten-Spezialisten: Pflanzen wie der Frauenmantel oder die Hosta besitzen oft größere, dünnere Blätter mit mehr Chlorophyll pro Zelle, um auch im dämmrigen Unterholz noch Photosynthese betreiben zu können.


    4. Das Zeit-Fenster: Photosynthese im Jahreslauf

    Ein kluger Waldgärtner dehnt die Photosynthese-Zeit aus:

    • Frühjahrs-Geophyten: Bärlauch und Scharbockskraut betreiben massive Photosynthese, bevor die Bäume Blätter haben. Sie nutzen das Lichtfenster im März/April.

    • Immergrüne: Pflanzen wie die Eibe oder wintergrüne Farne produzieren auch an milden Januartagen Energie, wenn alles andere ruht.

    5. Photosynthese und Bodenfruchtbarkeit

    Die Photosynthese produziert Glukose (Zucker). Ein erheblicher Teil dieses Zuckers (bis zu 40 %) wird von den Pflanzen über die Wurzeln als Exsudate in den Boden gepumpt.

    • Warum? Damit füttern sie Bakterien und Pilze, die im Gegenzug Mineralien aus dem Boden lösen.

    • Waldgarten-Vorteil: Durch die enorme Blattmasse wird mehr flüssiger Kohlenstoff in den Boden geleitet als in jedem anderen Gartensystem. Das baut Humus in Rekordgeschwindigkeit auf.


    Zusammenfassung: So steuerst du die Leistung

    Maßnahme Effekt
    Lückenschluss Jeder Lichtstrahl, der den Boden braun trifft, ist verschwendete Energie.
    Staffelung Nutze schattenverträgliche Pflanzen für die untere Etage.
    Schnitt Durch das Auslichten der Kronen steuerst du, wie viel Energie “nach unten” durchgereicht wird.