In einem Waldgarten ist eine Hecke weit mehr als nur ein Sichtschutz oder eine Grundstücksbegrenzung. Sie fungiert als die „Außenhaut“ des Ökosystems. Man spricht hier oft von einer „Edible Hedge“ (essbare Hecke) oder einer Wildfrucht-Hecke, die mehrere strategische Aufgaben gleichzeitig übernimmt.
Hier sind die zentralen Funktionen einer Hecke im Waldgarten-Konzept:
1. Die Windschutz-Funktion (Mikroklima-Design)
Dies ist die wichtigste physikalische Aufgabe. Ein Waldgarten benötigt stehende, warme Luft, um optimal zu gedeihen.
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Schutz: Die Hecke bremst kalte Winde ab, die sonst die empfindlichen Blüten der Nashi-Birne oder der Pawpawschädigen könnten.
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Feuchtigkeit: Durch den Windschutz verdunstet weniger Wasser aus dem Boden und von den Blättern der Unterpflanzungen (wie den Hostas).
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Filter: Eine Hecke filtert Staub und Schadstoffe von angrenzenden Straßen oder Äckern.
2. Die “Kinderstube” für Nützlinge (Habitatfunktion)
Ohne eine Hecke fehlen im Waldgarten die wichtigsten Mitarbeiter.
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Vögel: Dornige Sträucher wie der Szechuanpfeffer oder die Weißdorn-Anteile in einer Hecke bieten sichere Nistplätze, die für Katzen und Raubvögel schwer zugänglich sind.
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Insekten: Die Hecke dient als Überwinterungsquartier für Marienkäfer, Florfliegen und Wildbienen.
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Igel: Das heruntergefallene Laub am Fuß der Hecke ist das ideale Winterquartier für Igel, die deine Schneckenpolizei bilden.
3. Die “Essbare Barriere” (Ertragsfunktion)
Im Waldgarten-Design wird jeder Meter genutzt. Eine Hecke besteht hier aus Nutzpflanzen:
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Obere Schicht: Wildobst wie Felsenbirne, Kornelkirsche oder Holunder.
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Mittlere Schicht: Sorbaronia, Haselnuss oder Pimpernuss.
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Kletterebene: In der Hecke dürfen Kiwibeeren oder Apios americana hochranken.
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Nutzen: Du erntest Beeren, Nüsse und Wildfrüchte, während die Hecke gleichzeitig ihre Schutzfunktion erfüllt.
4. Nährstoff-Pumpe und Biomasse-Quelle
Hecken produzieren enormes organisches Material.
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Mulch-Lieferant: Der jährliche Zuwachs kann geschnitten und als Chop-and-Drop-Material direkt unter die Obstbäume im Garteninneren gelegt werden.
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Sichtschutz durch Dichte: Durch regelmäßigen Rückschnitt (Auf-den-Stock-setzen einzelner Abschnitte) bleibt die Hecke von unten her dicht und produziert ständig frisches, nährstoffreiches Laub.
5. Strategische Gestaltung: Die “Benjeshecke” (Totholzhecke)
Oft wird am Rand des Waldgartens eine Benjeshecke angelegt. Dabei wird Schnittgut (Äste, Zweige) locker zwischen Pfosten aufgeschichtet.
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Funktion: Sie bietet sofortigen Sicht- und Windschutz.
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Entwicklung: Vögel lassen sich auf den Zweigen nieder, lassen Samen fallen, und mit der Zeit wachsen “von selbst” Sträucher durch das Totholz hindurch. So entsteht eine natürliche, extrem stabile Hecke.