Funktion Kräuter und Blumen im Market Garden

    20/06/2025

    Im Market Garden (der auf intensive, ökologische Gemüseproduktion ausgerichtet ist) sind Kräuter und Blumen keine dekorative Nebensache, sondern funktionale Werkzeuge. Sie dienen als biologisches Schutzschild, Fruchtbarkeitsbooster und zusätzliche Einnahmequelle.

    Hier sind die zentralen Funktionen, unterteilt in ihre ökologischen und ökonomischen Rollen:


    1. Biologischer Pflanzenschutz (Nützlingsmanagement)

    Blumen und Kräuter sind die “Wohnungen” für deine unbezahlten Mitarbeiter.

    • Schwebfliegen & Marienkäfer: Blumen wie Ringelblumen (Calendula), Kornblumen und Klatschmohnlocken diese Insekten an. Ihre Larven fressen tausende Blattläuse an deinem Gemüse.

    • Schlupfwespen: Diese benötigen Nektar von Doldenblütlern (z. B. Dill, Fenchel, Koriander), um Energie zu tanken, bevor sie ihre Eier in Schädlinge (wie die Kohlweißlingsraupe) legen.

    • Verwirrung durch Duft: Kräuter mit starken ätherischen Ölen (z. B. Basilikum, Minze, Salbei) überlagern den Geruch von Gemüse. Ein Klassiker: Basilikum zwischen Tomaten verwirrt die Weiße Fliege.


    2. Bestäubungssicherheit

    Auch wenn viele Gemüsearten (wie Salate oder Kohl) nicht auf Bestäuber angewiesen sind, brauchen Fruchtgemüse (Tomaten, Zucchini, Gurken, Auberginen) eine hohe Insektendichte für maximale Erträge.

    • Durch ein durchgehendes Blütenangebot (von der frühen Kornelkirsche bis zur späten Herbstaster) stellst du sicher, dass Hummeln und Bienen dauerhaft in deinem Market Garden siedeln und nicht nur kurz vorbeischauen.


    3. Bodenverbesserung und Gründüngung

    Einige einjährige Blumen und Kräuter haben spektakuläre Wirkungen auf die Bodenstruktur:

    • Phacelia (Bienenfreund): Hinterlässt einen extrem feinkrümeligen Boden (“Gare”), der ideal für die folgende Aussaat kleiner Samen (wie Karotten) ist.

    • Tagetes (Studentenblume): Ihre Wurzeln scheiden Stoffe aus, die schädliche Nematoden (Fadenwürmer) im Boden abtöten. Ein Muss in der Fruchtfolge für Kartoffeln und Erdbeeren.

    • Tiefwurzler: Kräuter wie Borretsch lockern mit ihren kräftigen Pfahlwurzeln die unteren Bodenschichten auf.


    4. Ökonomischer Mehrwert (Zusatzertrag)

    Im Market Gardening zählt der Ertrag pro Quadratmeter. Kräuter und Blumen lassen sich hervorragend vermarkten:

    • Essbare Blüten: Restaurants lieben Kapuzinerkresse, Borretschblüten oder Ringelblumen als Dekoration.

    • Frische Kräuterbünde: Minze, Koriander oder Petersilie haben oft eine höhere Gewinnspanne als schwere Gemüse wie Kohl.

    • Schnittblumen: “Slow Flowers” (lokale, pestizidfreie Blumen) sind ein wachsender Markt und können als Sträuße direkt ab Hof verkauft werden.


    5. Platzierung im Market Garden (Strategie)

    Wie integriert man sie, ohne den Gemüsefluss zu stören?

    • Blühstreifen / “Beetköpfe”: An den Enden der standardisierten 75-cm-Beete werden oft 50 cm für Dauerblüher reserviert.

    • In-Bed-Intercropping: Kräuter werden direkt zwischen die Hauptkultur gepflanzt (z. B. Kopfsalat und Schnittlauch).

    • Hecken/Barrieren: Am Rand des Market Gardens bieten Kräuter wie Lavendel oder Thymian Schutz vor Wind und Erosion.