Die Benjeshecke

    15/01/2026

    Eine Benjeshecke (oder Totholzhecke) ist im Waldgarten weit mehr als eine Entsorgungsstation für Astschnitt. Sie ist ein biologischer Reaktor und eines der wertvollsten Gestaltungselemente für die äußere Schicht (die Hecke) deines Systems.

    Benannt nach Hermann Benjes, basiert das Prinzip darauf, dass Wind und Vögel Samen in den Schutz des Totholzes tragen, woraus mit der Zeit eine „lebende“ Hecke erwächst.


    1. Anleitung: So legst du sie richtig an

    Der Aufbau ist denkbar einfach, erfordert aber eine gewisse Struktur, damit sie nicht wie ein ungeordneter Haufen aussieht.

    1. Die Pfosten (Das Gerüst): Schlage im Abstand von ca. 1 bis 1,5 Metern zwei parallele Reihen von stabilen Pfählen in den Boden. Der Abstand zwischen den Reihen bestimmt die Breite der Hecke (ideal sind 50 bis 80 cm).

      • Pro-Tipp: Nutze hierfür die bereits besprochenen Robinienpfähle (wegen der Haltbarkeit) oder sogar lebende Weidenpfähle.

    2. Die Füllung: Schichte deinen Ast- und Strauchschnitt zwischen die Pfähle.

      • Unten: Grobes, dickes Holz (Stämme, dicke Äste) für Stabilität und als Lebensraum für Käfer.

      • Mitte: Feineres Geäst und Reisig.

      • Oben: Dorniges Material (z. B. vom Szechuanpfeffer oder Brombeeren), um die Hecke gegen Hunde oder Wild zu sichern.

    3. Verdichten: Tritt das Material vorsichtig fest, während du schichtest. Im Laufe des ersten Jahres sackt die Hecke um etwa ein Drittel zusammen – du kannst sie dann einfach von oben wieder auffüllen.


    2. Funktionen im Waldgarten

    In deinem Ökosystem übernimmt die Benjeshecke strategische Aufgaben:

    • Nützlings-Hotel Deluxe: Sie ist das Hauptquartier für deine „Schädlingspolizei“. Igel, Erdkröten, Zauneidechsen und hunderte Käferarten finden hier Unterschlupf.

    • Wind- und Sichtschutz: Sofort nach dem Aufschichten bietet sie einen effektiven Schutz für empfindliche Pflanzen wie die Paw Paw oder junge Nashis.

    • Nährstoff-Depot: Das Holz zersetzt sich von unten nach oben. Pilze besiedeln das Totholz und geben Nährstoffe an den Boden ab, wovon die Pflanzen profitieren, die du direkt neben die Hecke pflanzt.

    • Vogelschutz: Singvögel nutzen die Hecke als Ansitzwarte und Nistplatz. Ihr Kot, der oft Samen von Wildobst (wie der Felsenbirne) enthält, sorgt für die natürliche Bewaldung der Hecke.


    3. Integration & “Veredelung”

    Damit die Benjeshecke nicht 20 Jahre braucht, um grün zu werden, kannst du im Waldgarten nachhelfen:

    • Aktive Bepflanzung: Pflanze Kletterpflanzen wie die Kiwibeere oder die Apios americana direkt an die Basis. Sie nutzen das Totholz als perfektes Rankgerüst und überziehen es innerhalb von 1–2 Jahren mit einem grünen Teel.

    • Blumen-Saum: Säe am Fuß der Hecke Schattenkräuter oder Blumen aus. Der Fuß der Hecke bleibt länger feucht und nährstoffreich.


    4. Vorteile vs. Nachteile

    Vorteil Nachteil / Risiko
    Kostenlos: Verwertung von eigenem Schnittgut. Platzbedarf: Sie braucht mehr Breite als ein Zaun.
    Ökologisch wertvoll: Höchste Biodiversität. Brandgefahr: Bei extremer Trockenheit (in Hausnähe bedenken).
    Flexibel: Kann jederzeit verlängert werden. Wühlm